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Google schaut unter die Haut

Die eigene Anatomie hat den Menschen schon immer fasziniert. War es früher ganz verboten oder nur ganz bestimmten Menschen erlaubt, in den Körper zu schauen, kann das jetzt jeder. Wie? Ganz einfach, der Suchmaschineengigant Google macht es möglich. Wir blicken zurück in die Geschichte und zeigen Ihnen auch die neue Möglichkeit für faszinierende Reisen ins Körperinnere.

 

Anatomie und anatomische Modelle – Eine Zeitreise

Schon aus dem Alterum Ägyptens, Griechenlands und Roms sind Zeugnisse erhalten, in denen Zeitgenossen die damaligen anatomischen Kenntnisse festhielten. Trotz Tabus gab es auch schon in dieser Zeit eine ganze Reihe von anatomischen Beschreibungen, die das Wissen von damals belegen. Gleichzeitig zeigen sie die Grenzen der damaligen Kenntnisse auf.
Von der Antike bis ins Mittelalter klafft indes eine große Lücke, in der es kaum neues gab. Erst ab dem 11. Jahrhundert mehren sich die anatomischen Schriften und mit ihnen die Schautafeln wieder. Einen wirklichen Durchbruch schafft die Wissenschaft aber erst im 13. Jahrhundert mit Mondino di Liuzzi. Er führt die Humansektion an den Universitäten ein und verfasst 1326 das Standardwerk „Anathomia Mundini“, das bis ins frühe 16. Jahrhundert wegweisend bleibt. Bestechend detailliert sind die anatomischen Darstellungen von Leonardo da Vinci (1452 – 1519). Da Vinci sezierte selbst und hielt seine Beobachtungen in faszinierenden Bildern fest. Sie sind so exakt angefertigt, dass sie selbst heute noch dem medizinischen Standard genügen. Durch seine Leidenschaft für die exakte Darstellung von Lage und Zusammenhang der Systeme wurde er zum Begründer der topographischen Anatomie.
Nach da Vinci gerieten Sektionen im 16. Jahrhundert zu öffentlichen Veranstaltungen, zu denen sich nicht nur (angehende) Mediziner, sondern auch Kaufleute und andere Berufsstände aus purer Neugierde versammelten.
Den nächsten Schritt geht die Anatomie mit Andreas Vesalius (1514 – 1564), der mit „De humani corporis fabrica libri septem“, den „Sieben Büchern vom Bau des menschlichen Körpers“, ein das erste, systematische Standardwerk der Anatomie schafft. Er räumte durch zahlreiche Präparationen auch mit Jahrhunderte alten Irrtümern seiner Vorgänger wie etwa Galen auf.
In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts und im 17. Jahrhundert blüht die Anatomie. Bezeichnungen wie Bartolinische Drüsen und Eustach’sche Röhre gehen auf diese Zeit – und ihre Entdecker Bartolomeo Eustachi und Caspar Bartholin junior – zurück. Dazu beigetragen hat auch die Erfindung des Mikroskops Mitte des 17. Jahrhunderts. In dieser Zeit wird die Anatomie auch zu einem eigenständigen Zweig der Medizin.
Einen neuen Schub erhält die Anatomie im 18. Jahrhundert, als die brillanten Zeichnungen Leonardos wiederentdeckt werden.  So gibt es beispielsweise in der anatomischen Sammlung der Charité in Berlin eine große Zahl von anatomischen Präparaten und Instrumenten, die in das 18. und 19. Jahrhundert zurückdatieren. In dieser Zeit wurden zahlreiche Modelle aus Holz, Wachs und Gips gefertigt. Hinzu kommen Korrosionspräparate, Plastinate und Metallausgüsse verschiedener Organe sowie auspräparierte und eingelegte Organe und Körperteile.
Blicke in den Körper selbst erlauben schon seit 1930 gläserne Modelle. Ein solcher gläserner Mensch etwa wurde von dem Präparator Franz Tschakert 1930 zur 2. Internationalen Hygiene-Ausstellung in Dresden präsentiert. Damals noch eine Sensation, ist der Blick unter die Haut heute schon fast selbstverständlich. Transparente Modelle oder auch Computeranimationen sind heute aus der Anatomie nicht mehr wegzudenken.

 Screenshot gläserner Mensch Google

Google und der gläserne Mensch

Nach Ausflügen mit Google Earth und Google StreetView nimmt Google nun den menschlichen Körper unter die Lupe. Mit dem Body Browser bringt Google das anatomische 3-D-Modell eines Mannes und einer Frau online. Geöffnet werden kann das Projekt mit jedem Browser, der WebGL unterstützt. Es funktioniert also nicht nur mit Google Crome, sondern beispielsweise auch mit dem aktuellen Firefox.
Beim Betreten der Seite begrüßt den User eine knapp bekleidete Frau. In der Navigation Links lässt sich alternativ aber auch ein männliches Modell auswählen.
In der Navigation lässt sich nun ein Regler nach unten schieben. Je weiter Sie diesen Regler nach unten ziehen, umso tiefer schaut Google in das Modell, bis Sie nur noch das Nervensystem vor sich haben. So lassen sich Schicht für Schicht verschiedene Organsysteme herausarbeiten, etwa Verdauung, Blut– und Lymphbahnen, Knochen oder Muskulatur.
Mit einer horizontalen Bewegung der Maus lässt sich das Modell um die Längsachse drehen. Mit dem Rad der Maus dagegen können Sie beliebig nah an bestimmte Körperbereiche heranzoomen. Mit einem Klick wird das jeweilige Organ hervorgehoben und mit Namen bezeichnet. Hier sind Cracks in Englisch allerdings im Vorteil, da alle Bezeichnungen in englischer Sprache aufgeführt sind. Notfalls hilft jedoch ein Wörterbuch, ob man jetzt beispielsweise die Leber oder doch die Milz angeklickt hat. Die Bedienung des Modells ist also recht intuitiv und auch für technische Laien schnell und einfach nachvollziehbar. So macht die Entdeckungsreise in den menschlichen Körper Spaß.

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